Betroffenen-Info
B E T R O F F E N E N – I N F O
   Aktuelles


facebook  Kontinenz Info-Page
 
 


BETROFFENEN-INFORMATIONSPORTAL  |  Hilfsmittel & Behandlung

Inkontinenz ist kein Schicksal das man hinnehmen muss. Den Medizinern steht heute eine Reihe von medikamentösen, physikalischen, operativen und alternativen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die Betroffenen Heilung oder zumindest deutlich spürbare Besserung der Beschwerden bringt. Auf jeden Fall ist mit entsprechenden Hilfsmitteln und Therapien ein normales, aktives Leben wieder möglich. Also: Darüber reden, nicht darunter leiden!

Auf diesen Seiten stellen wir Ihnen eine Auswahl an gängigen und bewährten Behandlungsmöglichkeiten der Blasen- und Darmschwäche vor. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Die beschriebenen Maßnahmen sind nicht als Empfehlung zu verstehen.


|  Hygiene- und Hilfsmittel  |  Behandlung  |



1. HYGIENE- UND HILFSMITTEL


Aufsaugende Hilfsmittel bei Harninkontinenz


Spezielle Einlagen, Tampons oder Unterwäsche erleichtern Betroffenen den Alltag, denn sie verhindern Geruchsbelästigungen sowie Hautschäden durch Nässe und sind somit ein wichtiger Teil der Gesamtbehandlung. Hochwertige Produkte gewährleisten zuverlässigen Schutz, ermöglichen Bewegungsfreiheit und bewahren Betroffene vor peinlichen „Zwischenfällen“. Das Tragen von Einlagen allein ist jedoch keine dauerhaft zufrieden stellende Lösung. Sie können die Behandlung nicht ersetzen sondern nur ergänzen, denn ohne medizinische Behandlung werden die Beschwerden mit der Zeit immer schlimmer. Einlagen sind also unterstützend zur Therapie oder wenn nach Ausschöpfen der therapeutischen Maßnahmen keine Heilung erzielt werden konnte eine sehr wertvolle Hilfe.

Detail-Information über Hygieneprodukte finden Sie unter
Attends-Plus  |  Coloplast  |  Hartmann  |  Tena  |  Innocept


Aufsaugende Hilfsmittel bei Stuhlinkontinenz

Anal-Tampons
sind sicher, diskret und einfach zu handhaben. Sie werden benützt, um den Analkanal kurzfristig zu verschließen. Die speziellen Tampons sind aus weichem Schaumstoff, der von einem wasserlöslichen Film umgeben ist. Der Film hält den Schaumstoff klein und zusammengedrückt, so dass sich der Tampon leicht einführen lässt (vergleichbar mit einem Zäpfchen). Im Darm lösen die natürliche Körperfeuchtigkeit und -wärme den Film auf. Der Schaumstoff dehnt sich aus und passt sich genau den individuellen anatomischen Gegebenheiten an. Fester Stuhl wird zuverlässig lang anhaltend zurückgehalten.
Anal-Tampons sind die Alternative zu Windeln, binden den Geruch und vermeiden eine Menge Abfall.

Mehr dazu >>>



Ableitende Hilfsmittel bei Harninkontinenz (Urinale und Katheter)

Kondomurinale
Die Harninkontinenz beim Mann kann mittels Kondomurinale einfach, sauber und diskret versorgt werden. Die kleinen Gummihülsen werden über den Penis gestülpt. Am unteren Ende der Kondomurinale befindet sich der Abfluss-Stutzen, der über einen flexiblen Entleerungsschlauch mit einem geruchs- und flüssigkeitsdichten Beutel verbunden ist. Der Urinbeutel wird mit einer Klebefläche am Körper (Ober-, Unterschenkel oder Knie) fixiert. Eine sichere und diskrete Ableitung des Harns ist somit gewährleistet.

Mehr dazu bei   Coloplast  |  Hollister  |  Hartmann  

Katheter
Ein Katheter ist ein Kunststoffschlauch, der über die Harnröhre in die Harnblase einführt wird. Um Verletzungen der Harnröhre durch häufiges Passieren zu vermeiden, sind die Katheter mit Gleitmittel beschichtet. Es gibt Katheter, die nur einmal verwendet werden und unmittelbar nach der Entleerung wieder entfernt werden. Dauerkatheter werden in der Blase fixiert und können bis zu 3 Wochen benützt werden. Am äußeren Ende eines Katheters befindet sich ein Urinbeutel, der den Harn sammelt.

Mehr dazu bei   Coloplast  |

Intermittierender Selbstkatheterismus
Patienten, die längerfristig katheterisiert werden müssen, können die Handhabung dieses speziellen Einmalkatheters in der Regel selbstständig zuhause durchführen. Da der sog. intermittierende Selbstkatheterismus meist eine lebenslange Therapie darstellt, sollte er mit den schonendsten Materialien durchgeführt werden. Diese Katheter sind durch eine spezielle Beschichtung gleitfähiger. Herkömmliche Einmalkatheter sind dafür ungeeignet, da sie bei regelmäßiger Anwendung zu einer Verletzung der Harnröhre führen können.

Mehr dazu bei  Hollister  |  Astra Tech

Ableitende Hilfsmittel bei Stuhlinkontinenz
Stuhlauffangbeutel sind für bettlägerige Patienten mit hauptsächlich dünnflüssigem Stuhl geeignet. Die Beutel sind aus einer geruchs- und flüssigkeitsdichten Folie. Ein eingebautes Thermometer/Gasventil ermöglicht die Temperaturmessung und das Entweichen von Darmgasen.

Mehr dazu bei   Hollister  |

Für Menschen mit Stuhlinkontinenz und chronischer Verstopfung – wie etwa in einigen Fällen von Querschnittlähmung – bedeuten Darmspülungen eine große Erleichterung und Verbesserung ihrer Lebensqualität, denn sie ermöglichen eine weitgehende Stuhlentleerung zum selbst gewählten Zeitpunkt.

Mehr dazu bei   Coloplast  |


| zurück nach oben |




2. BEHANDLUNG


Ist die Ursache der Blasen- oder Darmschwäche gemeinsam mit dem Arzt abgeklärt, kann sie entsprechend behandelt werden.

> Belastungs- (oder Stress)inkontinenz (Harnverlust bei körperlicher Anstrengung)
> Dranginkontinenz
(plötzlich auftretender, starker Harndrang)
> Überlaufinkontinenz
(Blase kann nie vollständig entleert werden und „geht über“)
> Neurogene Inkontinenz
(Verlust der Blasenkontrolle auf Grund einer Nervenschädigung)
> Kontinuierliche Harninkontinenz
(Urin wird nicht über Harnröhre ausgeschieden)
> Stuhl-Inkontinenz
(unkontrollierter Verlust von Darminhalt)
> Bettnässen bei Kindern
(nächtliches Einnässen auf Grund eines Hormonmangels)


Belastungs- (oder Stress)inkontinenz

Die Belastungsinkontinenz ist die häufigste Form der Blasenschwäche bei Frauen, die durch einen defekten/geschwächten Verschluss der Harnröhre verursacht wird. Schon bei geringer Anspannung oder körperlicher Belastung wie Husten, Niesen, Treppen steigen, Bergab gehen, Heben oder sogar Lachen kann der Harn trotz funktionierender Blase nicht mehr gehalten werden. Auslöser können Schwangerschaft oder Geburt sowie hormonell und altersbedingte Veränderung der Beckenbodenmuskulatur sein. Bei Männern ist der geschwächte Schließmuskel häufige Folge einer Prostata-Operation. Übergewicht, Asthma und chronische Bronchitis können die Situation sowohl bei Frauen als auch bei Männern weiter verschlechtern.


> Behandlung

> Operation

> Operationsmethoden speziell für Frauen

> Operationsmethoden speziell für Männer




Behandlung

Beckenbodentraining

Wichtigster Schritt in der Behandlung der Belastungsinkontinenz ist ein aktives Beckenbodentraining, das Jede/r nach entsprechender Schulung selbst im Alltag durchführen kann. Der Beckenboden ist eine große muldenförmige Muskelgruppe, die den Bauchraum nach unten begrenzt und die Blase in der richtigen Lage hält. In leichten Fällen von Blasenschwäche wird dieses Training allein ausreichend sein, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen. Ist die Inkontinenz weiter fortgeschritten, sollte es auf jeden Fall unterstützend zu anderen therapeutischen Methoden durchgeführt werden. Im ersten Schritt des Trainings wird die Wahrnehmung dieser Muskelgruppe gefördert. Erst wenn der Beckenboden unabhängig von anderen Muskeln zusammengezogen werden kann, beginnt das eigentliche Training. Die Übungen sollten unter Anleitung einer Physiotherapeutin erlernt werden. Entscheidend für den Erfolg ist, dass man auch zuhause regelmäßig und richtig weiter trainiert.
Änderungen im Lebensstil wie Gewichtsreduktion, Raucherentwöhnung, Stuhlgangregelung sowie Kontrolle der Trinkmenge und regelmäßige Blasenentleerung können das Beckenbodentraining unterstützen. Frauen während der Schwangerschaft, nach der Geburt und vor den Wechseljahren sollten den Beckenboden bereits vorbeugend stärken.
Der Erfolg der Bemühungen kann durch Biofeedbackverfahren („Rückmeldung aus dem Körper“) veranschaulich werden: Mit einer speziellen Sonde, die in die Scheide (bei Männern in den Enddarm) eingebracht wird, kann man die Muskelaktivität anhand akustischer oder visueller Signale verfolgen und kontrollieren. Die Patienten werden durch den sicht- (oder hör)baren Fortschritt zusätzlich auch motiviert.
Eine kostenlose Broschüre zum Beckenbodentraining können Sie bei unserem Beratungstelefon „Blase inForm“ TelNr. 0810/100 455 anfordern.

Elektrotherapie
Auch eine Elektrostimulation (völlig schmerzfrei) des Beckenbodens mittels spezieller Sonden in Form eines Vaginal- oder Analtampons ist sinnvoll. Durch die elektrischen Impulse wird die Beckenbodenmuskulatur gereizt, der Beckenboden zieht sich zusammen und wird so trainiert und gekräftigt. Wirksamkeit und Sicherheit der kurzzeitigen, elektrischen Stimulation werden seit 1975 getestet und immer wieder von Fachärzten bestätigt.
Mehr dazu von der Fa. Wedermann/Conmax® (pdf 574 KB)

Medikamentöse Therapie
Bis Herbst 2004 gab es für die Belastungsinkontinenz keine medikamentöse Therapie. Der neue Wirkstoff Duloxetin zählt zu den so genannten Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern und schließt nun diese therapeutische Lücke. Serotonin und Noradrenalin spielen eine wichtige Rolle in jenen Rückenmarksarealen, von denen aus die Schließmuskelfunktion gesteuert wird. Duloxetin erhöht die Serotonin- und Noradrenalinkonzentration, was eine erhöhte Aktivität im Nervus pudendus zur Folge hat und die Aktivität des Schließmuskels der Harnröhre steigert. Zusätzlich zur Reduktion des unfreiwilligen Harnabgangs kommt es auch zu Verlängerung der Abstände zwischen den Blasenentleerungen. Studien haben gezeigt, dass die Kombination dieses neuen Medikamentes mit Beckenbodentraining die Erfolge noch verbessert.

| zurück nach oben |


Operation

Operiert wird nur dann, wenn die anderen Behandlungsmethoden nicht zum gewünschten Erfolg führen oder der Schließmuskel bereits massiv geschädigt ist (Ausnahme vergrößerte Prostata). Ziel jeder Operation ist es, die normale Lage und Funktion der entsprechenden Organe (Blase, Harnröhre, Prostata) wiederherzustellen. Je nach Geschlecht und Ausprägung der Schließmuskel-Schädigung kommen verschiedene Operationsmethoden zum Einsatz; nachstehend die gängigsten.

Künstlicher Schließmuskel (Hydraulischer Sphinkter)
Ein künstlicher Schließmuskel wird dann implantiert, wenn der körpereigene weitgehend funktionsunfähig ist. Bei Männern kann das bei einer Lähmung des Beckenbodens oder infolge einer Prostata-Entfernung passieren. Die Harnröhre wird mit einer Manschette umschlossen. Über eine kleine hydraulische Pumpe wird Flüssigkeit in die Manschette befördert und so die Harnröhre verschlossen. Nach demselben Schema wird die Manschette auch entleert und die Blase kann Harn abgeben.

Stammzellentherapie
Die Zelltherapie setzt direkt an der Ursache der Blasenschwäche, am Schließmuskel der Blase, an: mit Hilfe von Muskelstammzellen wird neues Muskelgewebe ausgebildet und der Verschlussmechanismus wieder dauerhaft gestärkt. Dabei handelt es sich um adulte Stammzellen, die aus körpereigenem Gewebe des Patienten gewonnen werden und deren Anwendung ethisch unbedenklich ist. Die Muskelzellen des Patienten fungieren so in seinem eigenen Körper als Arzt: mit ihrer Hilfe kann der Muskel seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Dem Patienten wird im Rahmen der Therapie am Oberarm ein Stück Muskelgewebe entnommen. Die Gewebeproben werden dann in den spezialisierten Labors der Firma Innovacell Biotechnologie GmbH aufbereitet und mit einem speziellen Verfahren vermehrt. Nach circa acht Wochen können die neu gezüchteten Zellen dem Patienten in den geschädigten Muskel injiziert werden. Dort wachsen sie in den Blasenschließmuskel ein und können ihn so regenerieren. Zu Abstoßungsreaktionen kann es dabei nicht kommen, da ausschließlich körpereigenes Gewebe des Patienten verwendet wird. Die Injektion der Zellen erfolgt besonders schonend und ohne offene Operation durch die natürliche Öffnung der Harnröhre. Parallel zur Therapie beginnt der Patient gemeinsam mit einem Physiotherapeuten ein spezielles Beckenbodenprogramm, damit sich die neuen Zellen mit der vorhandenen Muskulatur verbinden und entsprechend trainiert werden.
Die Stammzellentherapie befindet sich noch im Überprüfungsstadium, die Wirkung und Vorteile müssen noch nachgewiesen werden.
Mehr dazu bei der Fa. Innvocell

Submuköse Harnröhrenunterfütterung
Die Blase bzw. der Blasenhals wird durch Injektion von Silikon, Kollagen oder Graphitkörner am Blasenauslass unterpolstert. Der Druck rund um die Harnröhre wird erhöht und die Verschlussfähigkeit des Schließmuskels verbessert. Diese Methode ist komplikationsarm und kann in Lokalanästhesie durchgeführt werden. Die Erfolgsrate liegt bei rund 85%. Anstelle von Silikon, Kollagen und Graphitkörnern können auch sog. Microballons implantiert werden.

DynaMesh®-SIS
In den vergangenen Jahren wurden zunehmend neue Verfahren entwickelt, bei denen synthetische Netzstrukturen zur Verstärkung der erschlafften Bindegewebsstrukturen und Bänder im kleinen Becken verwendet werden. Neben textiltechnologisch optimierten Netzstrukturen auf der Basis des in der Chirurgie bewährten Polypropylens wurden weltweit einzigartige Netzstrukturen aus dem Hochleistungskunststoff Polyvinylidenfluorid (PVDF) entwickelt. Die hervorragende Biokompatibilität dieses Werkstoffes und die Entwicklung einer speziellen Gewirkkonstruktion haben es ermöglicht, eine neue Struktur speziell für die minimal invasive Behandlung der Belastungsinkontinenz zu entwickeln. Das sehr gut verträgliche Band DynaMesh®-SIS unterstützt die Harnröhre und wird durch einen kurzen chirurgischen Eingriff (ca. 20 Minuten) implantiert.
Mehr dazu bei der Fa. Optimed
Kontaktieren Sie die Firma OptiMed (T: 02236/610 85, E: office@opti-med.at), um zu erfahren welcher Arzt in Ihrer Nähe das DynaMesh®-SIS System implantiert.

| zurück nach oben |


Operationsmethoden speziell für Frauen

Kolposuspension nach Burch (kolpos = Scheide, suspension = Aufhängung)
Diese Operationstechnik wird seit über 10 Jahren angewandt und gilt als „Goldstandard“. Die Erfolgsrate liegt zwischen 70 und 90%. Bei diesem Eingriff werden der Blasenhals und der obere Teil der Harnröhre angehoben. Die Beweglichkeit des Blasenhalses wird so verringert und der Verschließ-Mechanismus der Harnröhre normalisiert sich. Die Harnröhre kann dem Druck der Blase wieder standhalten.

TVT-Verfahren
Die moderne Alternative zur Kolposuspension ist die TVT (Tension-free Vaginal Tape)-Operation, bei der die normale Lage der Blase wieder hergestellt wird. Unter lokaler bzw. regionaler Betäubung werden ein kleiner Schnitt in der Scheide und zwei oberhalb des Schambeins bzw. in der Nähe der Schenkelfalten gesetzt. Durch den Schnitt in der Scheide wird das Band eingeführt und so durchgezogen, dass die beiden Enden bei den Schnitten oberhalb des Schambeins bzw. seitlich der Schenkelfalten herausragen. Durch das anschließende Hochziehen der Enden wird die Harnröhre unterstützt. Das Band wird solange angepasst, bis die optimale Stellung erreicht ist. Der Eingriff ist unkompliziert und schonend. Nach der Operation brauchen die Patientinnen in der Regel keinen Katheter, da sie wenigen Stunden wieder normal urinieren können. Die Erfolgsrate liegt bei 98% (81% Heilung, 17% deutliche Besserung).
Weitere Informationen zu dieser Operationsmethode gibt’s bei der Gynecare TVT-Hotline 01/535 20 20

Safyre® System
Das Produkt aus 100% biokompatiblen Materialien wurde zur dauerhaften Implantation bei der Behandlung belastungsbedingter Harninkontinenz entworfen. Es besteht aus 2 flexiblen Säulen und einem zentralen Netz, das nach Einsetzen des Implantats die mittlere Harnröhre umgibt. Der Bereich, der bei Anstrengungen am empfindlichsten ist, wird gestützt und ein Urinabgang vorgebeugt. Die flexiblen Säulen befestigen sich selbst am Unterleibsgewebe, sodass der Eingriff wirklich einfach ist. Sollte es unerwartet zu einem wiederkehrenden Harnverlust nach der Implantation kommen, kann es durch einen einfachen ambulanten Eingriff nachjustiert werden.
Mehr dazu bei der Fa. Optimed
Kontaktieren Sie die Firma OptiMed (T: 02236/610 85, E: office@opti-med.at ), um zu erfahren welcher Arzt in Ihrer Nähe das Safyre® System implantiert.

| zurück nach oben |


Operationsmethoden speziell für Männer

Prostata-Implantat: Pro-ACT™
Das Prostata-Implantat kommt bei Harninkontinenz infolge einer Prostata-Entfernung zum Einsatz. Zwei aufblasbare, Silikonballons werden anstelle der Prostata (also links und rechts der Harnröhre) implantiert und mit einem Kontrastmittel-Propylenglycol-Gemisch gefüllt. Dieses Implantat führt zu einer Widerstandserhöhung der Harnröhre und verhindert, dass unwillkürlich Harn abgeht. Die Besonderheit des Systems besteht in der Anpassungsfähigkeit: Das Volumen der Ballons kann jederzeit, entsprechend den individuellen Ansprüchen der Patienten, über ein Ventil das im Hodensack unter der Haut sitzt, postoperativ nachjustiert werden kann. So kann für jeden Patienten die optimale Passgröße erreicht werden.
Mehr dazu bei www.huebner-urologie.at

Argus (Adjustable Male Sling)
Argus ist eine Lösung für Männer mit Belastungsinkontinenz infolge einer Prostata-Operation. Das Implantat aus 100% biokompatiblen Kunststoff umgibt die Harnröhre, hält den belastungsempfindlichsten Bereich des Beckenbodens und verhindert so unfreiwilligen Urinverlust. Die aus einer Reihe kleiner Konen gebildeten Stäbchen fixieren sich durch Selbstverankerung am Gewebe des Beckenbodens. Die Operation ist minimal invasiv, das Implantat muss nicht durch Fäden fixiert werden und es ist keine Manipulation von außen nötig. Ein Nachjustieren auf Grund wiederkehrenden Harnverlusts kann durch einen einfachen ambulanten Eingriff durchgeführt werden.
Mehr dazu bei der Fa. Optimed
Kontaktieren Sie die Firma OptiMed (T: 02236/610 85, E: office@opti-med.at ) um zu erfahren, welcher Urologe in Ihrer Nähe das Argus System implantiert.


| zurück zu 2. Behandlung |




Dranginkontinenz

ist der unfreiwillige Harnverlust in Zusammenhang mit starkem, zwanghaften Harndrang trotz intaktem Harnröhrenverschluss. Dabei kommt es zu unwillkürlichen, nicht verhinderbaren Kontraktionen des Blasenmuskels mit Harnverlust, der auch durch Kneifen des Schließmuskels nicht aufgehalten werden kann. Somit stellt diese Form der Harninkontinenz das schwerwiegendste Erscheinungsbild der überaktiven Blase dar.
Die Ursachen dafür sind vielfältig: Krankhafte Zustände im Bereich von Blase, Harnröhre und kleinem Becken, z. B. chronische Entzündungen, können zum starkem Harndrang mit Harnverlust führen.Weiters kann eine Übererregbarkeit des Blasenmuskels als Ursache vorliegen. Im Alter tritt insbesondere diese Inkontinenzform deswegen häufiger auf, da durch Hirnleistungsstörung und andere krankhafte Veränderungen im Nervensystem die Kontrolle über die Blasenfunktion verloren gehen kann.



Behandlung

Verhaltenstherapie mit Miktionstraining: durch Kneifübungen des Beckenbodens bei Auftreten des Harndranges kann die überaktive Blase unter Kontrolle gebracht werden.
Verhaltenstherapie mit Toilettentraining: rechtzeitige Blasenentleerungen auf Aufforderung nach der Uhr vor Auftreten des zwanghaften Harndranges.
Die Verhaltenstherapie wird üblicherweise durch Medikamente unterstützt, die auf die Blase beruhigend einwirken.
Bei Frauen zusätzlich Einsatz von Hormonen, bei ausbleibendem Erfolg Elektrotherapie.

Kontinenztraining
Das Kontinenztraining ist die Grundlage der Behandlung und umfasst eine Reihe von Maßnahmen: das Miktionstraining, das Toilettentraining und das Beckenbodentraining.

Blasentraining [download Miktionstraining Formular 14 KB]
Ziel des Blasentrainings ist es, die verloren gegangene Kontrolle und das Gefühl für die Blase wieder zu erlangen. Es wird gelernt, dem Drang zu widerstehen und die Blase nach Zeitplan zu entleeren, um schließlich das Füllungsvermögen der Blase wieder zu steigern: Durch Konzentration und Anspannen der Beckenbodenmuskulatur klingt der Harnabgang nach ca. 10-15 sek. wieder ab. Erst dann wird die Toilette aufgesucht. Die Intervalle des Harndrangs werden so in kleinen Schritten verlängert (ca. 20 Minuten pro Woche), wodurch sich die Speicherkapazität der Blase allmählich vergrößert und ein normaler Rhythmus (6-7 Toilettengänge pro Tag) einstellt.

Toilettentraining
Das (passive) Toilettentraining wird angewandt, wenn ein aktives Training durch Immobilität der Patienten nicht mehr möglich ist. Der Betroffene wird aufgefordert, die Blase vor Auftreten des Harndrangs zu entleeren. Alle zwei Stunden wird die Einlage kontrolliert und der Patient zur Toilette gebracht. Die Mitarbeit der Pflegepersonen bzw. der Angehörigen ist in diesem Fall überaus wichtig.

Blasenentleerungsprotokoll
Das Blasenentleerungsprotokoll ist wesentlich für eine erfolgreiche Durchführung und Kontrolle des Blasen- sowie Toilettentrainings und dient außerdem der Motivation der Patienten. Es wird die Häufigkeit des Harndrangs, Zeitpunkt, Menge und Art der zugeführten Getränke eingetragen, und ob der Harnabgang freiwillig oder unfreiwillig war.
So sieht ein Blasenentleerungsprotokoll [download] aus.

Beckenbodentraining
Nur wenn die Beckenbodenmuskulatur (richtig) kontrahiert werden kann, kann das Miktionstraining von Erfolg gekrönt sein. Anhand spezieller An- und Entspannungsübungen wird die Beckenbodenmuskulatur trainiert. Beim Training, das nichts mit Sport oder Kondition zu tun hat, soll die Körperwahrnehmung im Becken- und Genitalbereich geschult werden und es wird gelernt, die Beckenbodenmuskulatur gezielt einzusetzen. Die Übungen sollten unter fachkundiger Anleitung einer Physiotherapeutin erlernt und unter deren Kontrolle durchgeführt werden.
Eine kostenlose Broschüre zum Beckenbodentraining können Sie bei unserem Beratungstelefon „Blase inForm“ TelNr. 0810/100 455 anfordern.

Medikamentöse Therapie
Die Medikamente haben zum Ziel die Harnblase zu beruhigen, ihr Aufnahmevermögen zu vergrößern und die Zeit bis zum Auftreten des Harndranges zu verzögern. In erster Linie werden so genannte „Anticholinergika“ eingesetzt. Sie unterdrücken gezielt die Wirkung des körpereigenen Botenstoffes Acetylcholin, der für das Zusammenziehen des Blasenmuskels, folglich für die Entleerung der Blase, zuständig ist. Die Kontrolle über die Blasenentleerung wird insgesamt deutlich verbessert.
Bei älteren Frauen mit Hormonmangel kann eine Hormonsubstitution entweder allein oder in Kombination mit den oben genannten Substanzen Besserung schaffen.

Elektrotherapie
Wenn Training und Medikamente nicht ausreichen, kann eine Elektrotherapie helfen. Durch völlig schmerzfreie elektrische Reizung bestimmter Nerven des Beckenbodens von außen oder mittels Vaginal- oder Analelektroden kann die Blase beruhigt werden und macht sie leichter steuerbar. Diese Therapie kann häufig nach entsprechender Einweisung selbst zuhause durchgeführt werden. Sollte diese Behandlung erfolglos bleiben, können die Elektroden und Stimulatoren auch implantiert werden. Mehr dazu von der Fa. Innocept (ProSeco und weitere)

Sakrale Neuromodulation (SNM, SNS)
Stimulation bei Dranginkontinenz und Harnretention ohne Abflusshindernis.
Mehr dazu Fa. Medtronic


Operation

Eine Operation ist bei der Dranginkontinenz selten erforderlich und wird nur in besonderen Fällen vorgenommen.


| zurück zu 2. Behandlung |






Überlaufinkontinenz

Die Überlaufinkontinenz ist die häufigste Blasenentleerungsstörung bei Männern. Die Blase ist nicht mehr in der Lage, richtig zu entleeren. Obwohl die Blase voll ist und die Betroffenen starken Harndrang verspüren, können sie sie nicht entleeren. Kleine Mengen Urin gehen in unregelmäßigen Abständen unkontrolliert ab; die Blase geht sozusagen permanent über. Ursache kann eine geschwächte Blasenmuskulatur, eine Verengung oder Verstopfung der Harnröhre durch ein Hindernis (bei Männern z.B. eine vergrößerte Prostata, bei Frauen z.B. eine Gebärmuttersenkung oder ein Myom) sein.


Behandlung

Als erste Maßnahme wird die übervolle Blase mithilfe eines in die Blase eingeführten Katheters vollständig entleert. Danach werden mögliche zugrunde liegende Erkrankungen/Ursachen (z.B. Diabetes mellitus, eine Nebenwirkung von Medikamenten etc.) ausgeschlossen bzw. therapiert und eventuelle Abflusshindernisse (z.B. vergrößerte Prostata, Blasensteine) behandelt bzw. beseitigt. In den meisten Fällen ist die Inkontinenz damit ebenfalls behoben.

Medikamentöse Therapie
Infolge der permanenten Überdehnung der Blase nimmt die Aktivität des Blasenmuskels ab. So genannte Cholinergika können den Blasenmuskel wieder aktivieren.

Elektrotherapie
Mithilfe der Elektrotherapie kann man versuchen, die Blasenkontraktionen zu verbessern. Völlig schmerzfreie elektrische Reizungen bestimmter Nerven des Beckenbodens von außen bessern das Gefühl für die Blase. Die Elektrotherapie kann meist nach entsprechender Einweisung selbst zuhause durchgeführt werden. In besonders hartnäckigen Fällen können die Elektroden und Stimulatoren auch implantiert werden.


| zurück zu 2. Behandlung |






Neurogene Inkontinenz

Diese Form der „Blasenschwäche“ entsteht, wenn Nervenbahnen und Nervenzentren, die für die Steuerung der Blase verantwortlich sind, geschädigt werden oder ausfallen wie z.B. bei Querschnittlähmung, Multiple Sklerose, Schlaganfall, Zustand nach Operationen im kleinen Becken….
Abhängig von der Lokalisation und dem Ausmaß der Nervenläsion reagieren Harnblase und Schließmuskel entweder mit einer Überaktivität (=Spastizität), oder mit einer abgeschwächten / fehlenden Aktivität (nahezu oder komplette schlaffe Lähmung). Unfreiwilliger Harnabgang auf Grund von Erkrankungen / Schädigungen des Nervensystems kann entweder durch Überaktivität der Harnblase, die nicht mehr kontrolliert werden kann, oder durch eine Schwäche des Schließmuskels, aber auch mitunter durch eine Kombination von beiden verursacht sein. Bei kompletter Querschnittlähmung kann das Gefühl für die Harnblase völlig verloren gehen, der Betroffene spürt weder Harndrang noch den unfreiwilligen Harnabgang; bei inkompletten Lähmungen spürt man zwar häufig den Harndrang, der meist plötzlich auftritt, aber letztlich nicht kontrolliert werden kann. Vielfach besteht bei diesen Betroffenen eine unvollständige Blasenentleerung mit Restharn, der die Inkontinenz verstärkt.


Behandlung

Medikamentöse Therapie
Bei der überaktiven Blase werden in erster Linie die „Anticholinergika“ eingesetzt, sie beruhigen die Harnblase, die Blasenkapazität wird größer und die Kontrolle bei inkompletter Lähmung beim Betroffenen leichter. Weitere Informationen finden Sie bei  |  Madaus  |  Montavit  |  Pfizer  |  UCB Pharma  |

Häufig besteht gleichzeitig eine unvollständige Blasenentleerung mit Restharn, dann ist die Blasenentleerung durch Katheterismus die Methode der Wahl. Bezüglich der verschiedenen Katheter finden Sie weitere Informationen bei  |  Astra Tech  |  Coloplast  |  Hollister  |  

Die Betroffenen können meist den „Selbstkatheterismus“ erlernen. Die Kontrolle über die Blasenentleerung wird durch diese Maßnahmen wesentlich verbessert.

Elektrotherapie
Durch verschiedene Techniken kann man bei bestimmten Nervenläsionen das Gefühl für die Blase wieder herstellen, die Blasenkontraktionen verbessern und bei inkompletten Läsi-onen auch den Beckenboden und damit den Schließmuskel kräftigen.
Weitere Informationen bei  |  Innocept (Pro Seco®)  |  Wedermann (Conmax®)  |

Operative Therapie
Ist der Schließmuskel schlaff gelähmt, so gibt es dagegen kein Medikament. Lediglich operative Eingriffe (Implantation eines künstlichen Schließmuskels, Implantation von justierbaren Ballonen am Blasenhals, oder von Schlingen) können die Kontinenz wieder herstellen.

| zurück zu 2. Behandlung |

 




Kontinuierliche Harninkontinenz

Die kontinuierliche Harninkontinenz bedeutet Harnverlust über einen anderen Weg als über die Harnröhre.

Wir unterscheiden:

  • Die angeborene kontinuierliche Harninkontinenz bei ektopem Harnleiter, der aus entwicklungsgeschichtlicher Ursache nur beim weiblichen Geschlecht zur Inkontinenz führt.
    Die erworbene kontinuierliche Harninkontinenz im Rahmen von urogenitalen Fisteln, nach Operationen oder nach Bestrahlung.


Die Harnleiterektopie ohne gleichzeitige Duplikatur des Harnleiters ist sehr selten und resultiert aus dem Fehlen der Induktion der Trigonumbildung. Meist ist der ektope Harnleiter allerdings mit einer Doppelanlage verbunden, wobei der ektope Harnleiter, der proximal aus dem Wolff- Gang entspringt, zum oberen Nierenpol gehört, bedingt durch die Migration des kaudalen Anteils des Wolffschen Ganges in Kombination mit der Rotation nach medial und kaudal. Der Harnleiter des oberen Nierenanteiles befindet sich also näher zum Blasenhals (Meyer – Weigertsche Regel). Bei sehr kranialer Insertion der proximalen Knospe mündet der ektope Harnleiter am Blasenhals oder kaudal. Die fehlende Trennung des Harnleiters vom Wolffschen Gang führt bei beiden Geschlechtern zur ektopen Mündung im Bereich der genitalen Strukturen. Es mündet also der ektope Harnleiter beim Mann in die Derivate des Wolffschen Ganges, somit immer proximal des Sphinkter urethrae externus. Die Harnleiterektopie beim Mann führt nicht zur Inkontinenz, sondern zu chronischen Infekten (zB Epidydimitis).

Bei der Frau degeneriert der Wolff Gang bis auf die Reststrukturen, auch als Gartner Gang bezeichnet. Der ektope Harnleiter mündet also lateral oder antolateral in die Vagina oder paraurethral, was zu einer kontinuierlichen Inkontinenz führt.

Zu den Symptomen eines ektopen Ureters beim Mädchen gehört vor allem die seit Geburt bestehende tropfenweise Inkontinenz bei ansonsten normaler Miktion. Bei infiziertem Urin entsteht durch den „vaginalen Fluor“ eine Dauerirritation. Bei hoher Ektopie kann die Inkontinenz fehlen, hier ist meist ein Reflux vordergründig, mit den bekannten Folgen des rezidivierenden Harnweginfektes. Eventuell besteht auch eine Hydronephrose wegen Obstruktion des ektopen Harnleiterostiums.

Mädchen sind 5 Mal häufiger betroffen als Buben, bei denen allerdings eine Ektopie ohne gleichzeitige Doppelung des Hohlraumsystems eher vorkommt als bei Mädchen. Die vorherrschenden Symptomen beim Buben sind der Harnwegsinfekt mit Pyurie und Epidydimitis (bedingt durch die Harnleitermündung in die genitalen Strukturen des Wolffschen Ganges). Die Abklärung umfasst neben der obligaten Harnuntersuchung, die Sonographie mit besonderem Augenmerk auf eventuell dysplastische obere Nierenanteile. Ein Miktionszystourethrogramm (MCU) um einen, bei gedoppeltem Hohlraumsystem hauptsächlich in den unteren Nierenanteil vorkommenden Reflux auszuschließen, die Urethrozystoskopie, um das ektope Ostium zu identifizieren.Allenfalls ein Nierenröntgen, um den Harnleiterverlauf zu kennen oder die Mündung des Harnleiters zu dokumentieren, so wie ein Nierenszintigramm, um die Funktionstüchtigkeit des meist dysplastischen oberen Nierenanteils zu überprüfen. Ein CT oder MR der Nieren kann im Einzelfall nützlich zur Diagnosestellung sein.

Die Therapie besteht meist in der Heminephroureterektomie. Bei fehlendem Reflux in das ektope Ostium kann der distale Harnleiterstumpf belassen werden. Eine Harnleiterneuimplantation ist nur bei ausreichender Funktion des betroffenen Nierenanteils möglich und sinnvoll. Bei gleichzeitigem Reflux in den unteren Nierenanteil sollte auch die Ureterneueinpflanzung dieses Harnleiters erfolgen.

Ursache der erworbenen kontinuierlichen Harninkontinenz sind Fisteln im urogenitalen Bereich, entstanden meist als Bestrahlungsfolge, nach Operationen im kleinen Becken, traumatisch, entzündlich oder durch Tumoreinbrüche. Von der Lokalisation her unterscheidet man

 
 
 


• ureterovaginale-,
• vesikovaginale-,
• urethrovaginale,
• vesikovaginorektale Fisteln
• Kombinationen.

Die Behandlung besteht rein operativ.


| zurück zu 2. Behandlung |




Stuhlinkontinenz

Unter Stuhlinkontinenz, auch Darmschwäche genannt, versteht man den unwillkürlichen Verlust von Darminhalt oder Winden. Der Schweregrad reicht von geringer Verschmutzung der Unterwäsche bis zum massiven Verlust von flüssigem, breiigem oder festem Stuhl. In der Altergruppe der Berufstätigen sind etwa 5% betroffen, ab 65 steigt der Prozentsatz naturgemäß an. Vermutlich leidet etwa jeder zehnte ältere Mensch an Darmschwäche. Häufige Ursachen sind eine Verletzung oder Schwäche des Schließmuskels, Durchfall auf Grund chronischer Darmerkrankungen, körperliche Abbauprozesse durch Behinderung oder hohes Alter. Es können aber auch schwere Verstopfungen, Veränderung der Darmschleimhaut, Hämorrhoiden, Übergewicht, falsche Ernährung oder eine Krebserkrankung Gründe für unwillkürlichen Stuhlabgang sein.


Behandlung

Die Behandlung hängt von der Ursache der Stuhlinkontinenz ab. Bevor die Inkontinenz selbst behandelt wird, muss eine eventuelle zugrunde liegende Erkrankung (z.B. entzündliche Darmerkrankung) ausgeschlossen bzw. therapiert werden.
Es gibt drei Wege Darmschwäche zu behandeln, die meist auch kombiniert eingesetzt werden: Stuhlgangregelung durch Diät, Medikamente und Toilettentraining, Muskeltraining sowie ein chirurgischer Eingriff.


Diät, Medikamentöse Therapie
Mithilfe von diätetischen Maßnahmen (z.B. ballaststoffreichere Nahrung, eingeschränkter Kaffeekonsum, wenig blähende Speisen) und Arzneimittel (Medikamente zur Stuhleindickung und gezielte Entleerungen durch Abführzäpfchen oder Einläufe) sollten innerhalb weniger Wochen regelmäßige Entleerungen von geformtem, aber weichem Stuhl wieder möglich sein.
Mit dem Medikamenten kann das Toilettentraining (siehe weiter unten) unterstützt werden: Stuhlfrequenz und Stuhldrang werden reduziert und die Intervalle zwischen den Entleerungen verlängert.

Muskeltraining

Beckenboden- bzw. Schließmuskeltraining
Nach der Stuhlgangregelung wird durch Beckenboden- bzw. Schließmuskeltraining die Muskulatur gestärkt. Die Übungen, die unter Anleitung einer Physiotherapeutin erlernt werden, sollen 3mal täglich mindestens 5 Minuten lang durchgeführt werden. Durch konsequentes Beckenbodentraining können gute Erfolge erzielt werden.

Biofeedback
Auch mittels Biofeedback (Ballonkatheter mit Steuergerät) können Schließmuskel und Beckenboden trainiert werden. Es wird eine Sonde in den After einführt, die mit einem Gerät verbunden ist. Auf einem Bildschirm wird die Aktivität der Muskulatur durch optische und akustische Signale sicht- (oder hör)bar gemacht und gezeigt, mit welchen Bewegungen die Schließmuskelfunktion verbessert werden kann.

Elektrotherapie
Bei der Elektrotherapie wird eine Elektrode in den After eingeführt, die den inneren Schließmuskel durch schwache Reizströme zur Muskeltätigkeit anregt. Dieses Training sollte mindestens 3 Monate lang 2x täglich über 20 Minuten durchgeführt werden. Mehr dazu bei Wedermann/Conmax®

Toilettentraining
Das Toilettentraining bei einer Stuhlinkontinenz wird ähnlich durchgeführt wie bei einer Harninkontinenz. Der Patient lernt dabei, die Darmentleerung nur einmal am Tag und zwar immer zur selben Zeit durchzuführen. Anfangs kann die Stuhlentleerung mithilfe von Abführzäpfchen unterstützt werden. Hilfreich ist das Führen eines Stuhltagebuches.


Operation

Operiert wird, wenn konservative Methoden nicht ausreichend gegriffen haben oder der Schließmuskel defekt ist. Die meisten Operationen sind kaum belastend und somit auch für ältere Patienten unproblematisch.

Wiederherstellung des Schließmuskels
Die Rekonstruktion des geschädigten Schließmuskels ist einfach und komplikationslos. Die Muskelränder im ringförmigen Afterschließmuskel werden nach Hautschnitt und Durchtrennung des Unterhautfettgewebes überlappend aneinander genäht.

Künstlicher Schließmuskel
Kann der Schließmuskel nicht mehr repariert werden, wird eine mit Flüssigkeit gefüllte Kunststoffmanschette um den After eingebracht. Über ein Druckknopfsystem, das beim Mann in den Hodensack, bei der Frau in eine der beiden großen Schamlippen eingepflanzt wird, ist die Manschette mit einem Ballon verbunden. Durch kurzes Drücken fließt die Flüssigkeit aus der Manschette in den Ballon. Die Manschette gibt nach und der After öffnet sich zur Stuhlentleerung. Nach einigen Minuten füllt sich die Manschette wieder und der After verschließt sich.

Sakralnerven-Stimulation
Da neben dem Schließmuskel meist auch Nerven beschädigt sind, kann durch permanente Stimulation dieser Nerven die Inkontinenz gebessert werden. Angelehnt an das Prinzip eines Herzschrittmachers wird (nach 2-wöchiger Testphase, ob die Nerven auf die Stimulation ansprechen) eine Elektrode mit angeschlossenem Schrittmacher permanent unter die Haut eingepflanzt. Durch den „Nervenschrittmacher“ kann wieder eine ausreichende Muskelkontraktion erreicht werden.


| zurück zu 2. Behandlung |





Einnässen beim Kind

Man unterscheidet das reine nächtliche Einnässen (Enuresis nocturna), die kindliche Dranginkontinenz (zusätzliche oder isolierte Tagessymptomatik) und die komplizierte kindliche Harninkontinenz (vergesellschaftet mit anderen Erkrankungen wie Harnwegsinfekten oder Mißbildungen)

Die Kindliche Entwicklung

Kontrolle über die Blasenfunktion tagsüber gewinnen die Kinder selten vor dem 18. Lebensmonat. Dann werden die Kinder pro Jahr zu 20% trocken. Mit 5 Jahren sind 92% durchgehend tagsüber trocken. Während der Zeit des Toilettentrainings kommt es immer wieder zu Rückfällen, die keiner Behandlung bedürfen. Bevor man ein Kind behandelt sollte man immer neben dem Alter auch die allgemeine geistige und körperliche Reife eines Kindes berücksichtigen.
Die reine Enuresis tritt im Alter von 5a bei 15 bis 20% der Kinder auf, wie zahlreiche epidemiologische Studien belegen. Knaben sind dabei deutlich häufiger betroffen. Pro Jahr werden dann etwa 15% spontan trocken. Im Pubertätsalter sind immerhin noch 1-2% betroffen und auch im Erwachsenenalter hat erst neulich eine holländische Studie ½ % Enuretiker gefunden. Von allen Kindern mit Einnäßproblemen handelt es sich in 75% um eine reine nächtliche Symptomatik, in 10% um isolierte Tagessymptomatik und in 15% um ein Tag und Nacht Problem.
Von reinen Bettnässen spricht man, wenn das Kind über 5 Jahre alt ist, tagsüber bereits trocken ist, nachts aber mindestens 2mal im Monat ins Bett macht. Die WHO klassifiziert Bettnässen als behandlungswürdige Krankheit und nicht bloß als Kinderleiden und schon gar nicht als Erziehungsproblem der Eltern oder psychisches Problem der Kinder. Allein in Österreich leiden rund 60.000 Kinder im Volksschulalter unter nächtlichem Einnässen.


Behandlung

Die Ursachen des nächtlichen Einnässens sind mannigfaltig.

  1. Ein abnormer oder noch nicht ausgereifter Rhythmus des antidiuretischen Hormons. Mangelt es an diesem Hormon, sammelt sich in der Nacht zuviel Harn, der von den Kindern nicht gehalten werden kann – die Blase geht über.
  2. Verzögerung der Reifung jener Nervenstrukturen im Gehirn welche die Harnblasenfunktion steuern.
  3. Genetische Faktoren
    Bettnässen tritt deutlich häufiger auf, wenn die Eltern ebenfalls Bettnässer waren.
  4. Noch nicht ausgereiftes Weckzentrum. Bettnässende Kinder sind schwer weckbar und wachen durch das Einnässen nicht auf.
  5. Bezüglich psychogener Faktoren läßt sich folgendes sagen: Es besteht kein nachgewiesener Zusammenhang zwischen der Häufigkeit des Einnässens und der Ausprägung psychiatrischer Auffälligkeiten. Angesichts der Inhomogenität der Gesamtgruppe der einnässenden Kinder scheint es keine typische Persönlichkeit zu geben. Hinter der gleichförmigen Symptomatik treten sehr unterschiedlich Strukturen in Erscheinung. Es lassen sich jedoch einige Hauptanfälligkeiten beschreiben, die als Tendenzen zu verstehen sind.
    10% weisen eine zusätzliche Enkopresis auf
    25% haben Probleme in der Schule
    30% haben Persönlichkeitsauffälligkeiten

Miktionsprotokoll [download PDF 493 KB]
Bettnässen wird diagnostiziert, indem der Arzt (Facharzt für Urologie bzw. der Kinderfacharzt) organische Störungen anhand von Ultraschall und anderen schmerzfreien Untersuchungsmethoden ausschließt. Danach wird als erster Schritt ein sog. Miktionsprotokoll angelegt, das von den Eltern geführt wird. In dieses Tagebuch werden die Harnmenge und die Häufigkeit des Wasserlassens über ein Wochenende oder eine Woche eingetragen.
Da keinerlei körperliche Risiken mit dem Bettnässen verbunden sind, ergibt sich eine Behandlungsindikation ausschließlich aus dem Leidensdruck des Patienten und erst in zweiter Linie seiner Familie.
Die Behandlung beginnt mit der motivierenden Beratung unter dem Blickwinkel, daß es sich um ein soziales und weniger um ein medizinisches Problem handelt.
Dabei spielt das Miktionsprotokoll für den Arzt und die Eltern als Kontrolle, für das Kind als positiver Motivationsmechanismus eine entscheidende Rolle. Für den Erfolg der Behandlung ist die Motivierung und Verantwortungsübernahme durch das Kind entscheidend.
Sollte durch diese Maßnahmen kein Erfolg erzielt werden, können als nächste Schritte die medikamentöse Behandlung oder die apparative Verhaltenstherapie ( diversen Weckapparate) angewandt werden.

Medikamentöse Therapie
Zeigt das Protokoll eine normale Blasenkapazität (etwa Alter x 30 in ccm) und Hinweise auf einen ADH-Mangel (erhöhte Nachtharnmengen) kann sehr gut medikamentös behandelt werden. Ein Nasenspray oder Tabletten, die den Wirkstoff Desmopressin* enthalten, werden dem Kind vor dem Schlafengehen verabreicht. Dabei muß gegebenenfalls die Dosis langsam erhöht werden. Desmopressin* versorgt den kleinen Organismus mit dem fehlenden ADH und bewirkt meistens eine sofortige Besserung. Die Behandlung ist solange notwendig, bis der Körper des Kindes gelernt hat, das Hormon in ausreichendem Maß selbst zu produzieren. In 85% der Fälle sind die Kinder innerhalb von 6 Monaten bis eineinhalb Jahren wieder völlig trocken.
Bettnässer-Alarmgerät Info [pdf]

Bei normalem Protokoll und geeignetem familiären Umfeld kann eine apparative Verhaltenstherapie versucht werden. Besonders wichtig ist dabei, daß in den ersten ein bis zwei Wochen jemand in der Nähe des Kindes schläft und dieses beim ersten Alarm (erster Tropfen im Sensor) nötigenfalls zusätzlich (zum Klingeln, Summen oder Vibrieren je nach Gerät) weckt. Die Kinder schlafen oft sehr tief und sind schwer weckbar. Für den Erfolg der Therapie ist aber ein vollkommenes Aufwachen (mit Erinnerung am nächsten Tag) unbedingt notwendig. Meistens ist dieses zusätzliche Wecken nur kurzzeitig notwendig. Ziel ist ein trockenes Durchschlafen, aber fallweise gelingt nur die Umwandlung des nächtlichen Einnässens in ein nächtliches Aufstehen.

Zeigt das Protokoll eine zu kleine Blasenkapazität (Hinweis auf eine zusätzliche Drangkomponente) kann man mit z.B. Oxybutenin über zumindest einige Monate das Fassungsvermögen der Blase vergrößern. Bringt diese Therapie bei Kindern mit Tagessymptomatik (Harnverlust tagsüber) keine Besserung, so muß eine weitergehende Diagnostik zum Ausschluß einer Harnröhrenenge oder eines Beckenbodenkneifens (falsch eingelernte Blasenentleerung mit erhöhtem Widerstand durch „Zusammenzwicken“ statt Entspannen des Schließmuskels bei der Blasenentleerung) eingeleitet werden. Als Therapie kommen dann Biofeedback oder eventuell auch eine Erweiterung der Harnröhre in Betracht.
Der Verein Club Mondkind bietet Eltern und betroffenen Kindern bestmögliche Unterstützung: Information über die Krankheit, Ansprechpartner, Ambulanzen sowie Tipps und Tricks für’s Trocken werden.

Bei Verdacht auf einen psychologischen Hintergrund oder Therapieresistenz muß auch eine psychologische Abklärung mit nötigenfalls einer Psychotherapie (am besten als Familientherapie) eingeleitet werden.


| zurück nach oben |


 

home  |  kontakt |  impressum

MKÖ  |  Schwarzspanierstr. 15/3/1  |  A-1090 Wien  |  Tel. +43(0)1-4020928  |  info@kontinenzgesellschaft.at